Warum ich ein Kind des Wandels bin
Manche Menschen erleben Wandel irgendwann im Leben.
Für mich war Wandel von Anfang an Teil meiner Geschichte.
Am Abend des 9. November 1989 saß ich als 14-jährige in Erfurt vor dem Fernseher. Wir wechselten zwischen der „Aktuellen Kamera“ im Ostfernsehen und – heimlich – der ARD-Tagesschau im Westfernsehen. Die Nachrichten überschlugen sich: Die Grenzen waren offen.
Was zunächst nach Freiheit klang, bedeutete für meine Familie vor allem eines: eine Entscheidung.
Kurz darauf verließen wir die DDR und gingen in den Westen. Ich war noch jung, als meine Familie „rüberging“ – ein Wort, das damals für viele eine Mischung aus Angst, Mut und Aufbruch bedeutete. Von einem Tag auf den anderen war alles anders:
die Straßen, die Häuser, die Gerüche, die Menschen. Die Sprache war dieselbe – und doch war sie anders.
Mit einem Schlag verlor ich nicht nur ein Land – sondern auch meine vertraute Welt.
Aufgewachsen im Umbruch
Ich gehöre zur sogenannten Umbruchjugend – jener Generation von Jugendlichen, deren Biografien durch die Wendezeit tief geprägt wurden.
Viele erlebten einen politischen Systemwechsel.
Einige – so wie ich – zusätzlich den Verlust von Heimat.
Ich musste lernen, mich neu zu orientieren. Mich einzufügen. Herauszufinden, wer ich bin und wo ich hingehöre.
Ich wurde früh zu einer Grenzgängerin.
Zu jemandem, der zwischen Welten unterwegs ist – zwischen dem Alten und dem Neuen, dem Bekannten und dem Unbekannten.
Ich habe erfahren, wie es sich anfühlt, wenn der Boden unter den Füßen unsicher wird.
Wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht vertraut ist.
Dieser frühe Bruch hat Spuren hinterlassen. Gleichzeitig hat er mir etwas mitgegeben, das ich lange nicht bewusst benennen konnte: eine besondere Beziehung zum Wandel.
Der Wunsch nach Veränderung und Freiheit war in meiner Familie schon lange vor der Wende spürbar – manchmal offen ausgesprochen, oft nur zwischen den Zeilen.
Diese Haltlosigkeit hat mich geprägt. Vielleicht ist das der Grund, warum Wandel mich mein ganzes Leben begleitet hat.
Und sie hat mich etwas Wichtiges gelehrt:
Gerade in diesem Dazwischen liegt ein besonderer Raum.
Ein Raum, in dem Wandel möglich wird.
Der Raum des Dazwischen
Wenn Altes und Neues aufeinandertreffen, entsteht nicht nur ein Bruch.
Es entsteht auch etwas Neues.
Wir vermischen Erfahrungen, Perspektiven und Lebenswelten.
Bekanntes und Unbekanntes verbinden sich.
Und genau dort entsteht etwas Drittes – etwas Eigenes.
Heute weiß ich:
Der Wandel wurde mir gewissermaßen in die Wiege gelegt.
Die Suche nach dem roten Faden
Mein beruflicher Weg war alles andere als geradlinig.
Abgebrochenes Studium, Ausbildung in der Krankenpflege, Studium der Heilpädagogik, Theaterpädagogik, Rhythmustraining, psychologische Managementtrainerin, systemische Coach und Beraterin, Hochschuldozentin.
Lange fragte ich mich, warum ich nicht einfach „den einen richtigen Beruf“ finde.
Rückblickend erkenne ich:
Es ging nie um den einen Beruf, sondern um den roten Faden meiner Identität.
Was verbindet all diese unterschiedlichen Stationen?
Was ist der Sinn hinter dem, was ich tue?
Wandlerin zwischen den Welten
Meine Lebensgeschichte hat mich früh gelehrt, dass Wirklichkeit aus verschiedenen Perspektiven besteht.
Ein Teil meiner Prägung kommt aus der DDR:
Gemeinschaftssinn, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit.
Ein anderer Teil entstand im Westen:
Freiheit, Selbstbestimmung, Aufbruch und Mut zur Unsicherheit.
Lange empfand ich diese Gegensätze als inneren Konflikt.
Heute sehe ich darin eine Fähigkeit:
die Fähigkeit, zwischen Welten zu vermitteln und Brücken zu bauen.
Unterschiede müssen kein Widerspruch sein – sie können auch neue Perspektiven eröffnen.
Kopf, Bauch und das Herz dazwischen
Mit der Zeit wurde mir klar, worum es mir eigentlich immer ging:
nicht um ein „Entweder – Oder“,
sondern um ein „Sowohl als auch“.
Zwischen Kopf und Bauch einen Ort zu finden, an dem Entscheidungen aus dem Herzen entstehen.
Zwischen Sicherheit und Freiheit eine eigene Balance zu entwickeln.
Zwischen Vergangenheit und Zukunft einen persönlichen Weg zu gestalten.
Wandelreich
Wenn ich heute auf meinen Weg schaue, erkenne ich einen klaren roten Faden:
Wandel.
Weil ich erfahren habe, dass Wandel kein Ausnahmezustand ist –
sondern ein Raum voller Möglichkeiten.
Mein Leben hat mich gelehrt:
Wandel macht uns nicht ärmer.
Er macht uns reich.
Reich an Erfahrungen.
Reich an Mut.
Reich an neuen Perspektiven.
Deshalb gibt es mein Wandelreich.
Der Name meines Unternehmens Wandelreich steht genau dafür.
Er beschreibt meine Haltung:
Veränderung nicht nur zu bewältigen, sondern bewusst zu gestalten.
Weil ich selbst reich geworden bin im Wandel –
und weil ich diesen Reichtum weitergeben möchte.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen und Teams dabei, ihre eigenen Geschichten neu zu verstehen und Perspektiven für zukünftige Wege zu entwickeln.
Eine Frage zum Schluss
Viele Menschen erleben heute ebenfalls Umbrüche – beruflich, persönlich oder gesellschaftlich.
Oft beginnen genau dort wichtige Entwicklungsprozesse.
Welche Erfahrungen von Wandel haben dich geprägt – und welche Rolle spielen sie heute in deinem Leben und welche Bedeutung gibst du ihnen bewusst?